Autor Thema: Suchtdruck  (Gelesen 889 mal)

Chris

  • Gast
Suchtdruck
« am: 21 April 2021 »
Hallo
Ich bin seid ca. 2 Jahren Heroin abhängig.
Ich möchte unbedingt davon los kommen. Ich habe ein sehr geregeltes Leben, bin verheiratet, habe einen festen Job und keine Freunde welche Drogen nehmen.
Ich habe einen Entzug hinter mir, kalt zuhause und habe das auch komplett durchgestanden.
Bin aber wieder rückfällig geworden.
Ich bin in Substitution und auf 400mg Substitol eingestellt.
Am 30.04. gehe ich zu einem Stationären Entzug und ende Juli vorausichtlich auf langzeit Reha zur Entwöhnungsbehandlung.
Ich bin ziemlich Nadelgeil und nehme mein Substitol auch iv. Das ist mein größtes problem.
Auch habe ich phasen in denen ich immer mal rückfällig werde. Ich kann das dann einfach nicht kontrollieren und mich dann ablenken. Alles geschied dann fremdgesteuert.
Ich würde so gerne endlich alles hinter mir lassen und von allen Opiaten weg kommen.
Ich hatte mal einen kurzen sationären entzug gemacht, musste diesen aber wegen extremen Arthroseschmerzen abbrechen. in dieser Zeit hatte ich kein extremes Craving gehabt und kam mit dem Abdosieren gut klar.
Nur wenn ich zuhause bin ist es auf dauer für mich gefährlich.

Jetzt zu meinen Fragen.
Sind die Chancen nach dieser kurzen Zeit von 2 Jahren konsum prinzipiell besser davon wieder weg zu kommen?
Wie bekomme ich diese Nadelgeilheit in den griff?
Geht das irgendwann weg mit dem Suchtdruck und wird besser?
Sind die Chancen für mich auf Reha hinterher besser das ich das in den griff bekomme?
Gibt es medikamente gegen Suchtdruck für die anfangszeit?

Es macht mich einfach nur noch fertig das ich Rückfälle habe und nicht davon los komme.
Ich wollte nach dem Stationären Entzug mit Naltrexon anfangen um den Suchtdruck zu unterdrücken bis zur Reha.
Ist das realistisch das das funktioniert?

ME-Redaktion

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Antw:Suchtdruck
« Antwort #1 am: 23 April 2021 »
Sehr geehrter Herr Chris,

das sind ja viele Fragen auf einmal. Grundsätzlich haben Sie jedoch gut vorgesorgt: Zunächst der stationäre Entzug und dann die Entwöhnungstherapie. Für die Zeit dazwischen empfehle ich Ihnen dringend regelmäßige Termine bei einer ambulanten Sucht-/Drogenberatung mit engmaschigen Terminen, hier am besten schon jetzt im Vorfeld Kontakt aufnehmen und diesen Kontakt nutzen für die Zwischenzeit.

Ich gehe davon aus, dass in der Entwöhnungstherapie Verhaltensweisen erlernt werden, um besser mit dem Suchtdruck umzugehen und Rückfälle zu vermeiden. Und meiner Erfahrung nach verschwindet auch die sogenannte „Nadelgeilheit“, wenn es einem gelingt, schöne und intensive Erfahrungen auch ohne Drogenkonsum zu erleben und das passiert in der Regel, wenn mit dem Drogenkonsum aufgehört wird.

Hilfreich kann auch sein, die Vor- und Nachteile des iv-Konsums sich immer wieder bewusst zu machen.

Alles Gute!

ÖÄ Dr. Kirsten Habedank – Therapiestation Lukasfeld