Autor Thema: Lexotanilabhängikeit  (Gelesen 372 mal)

Richard D.

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Lexotanilabhängikeit
« am: 09 Februar 2020 »
Hallo Liebes Team!

Meine Vorgeschichte:

Ich bin 41 und nehme seit ca. 18 Jahren Lexotanil 3 mg x 3tgl. (9 mg pro Tag) Ursprünglicher Grund für die Einnahme: Aggressive Zwangsgedanken, Panik und Herzrhytmusstörungen. Vor ca. einem Jahr beschloss ich das Mittel auf eigene Faust auszuschleichen. Ich reduzierte die Dosis alle 2 Wochen um 1,5 mg.
Bei 1 1/2 Tabl. angelangt begann sich mein Zustand zu verschlechtern. Es tauchten wieder Zwangsgedanken auf deren Dringlichkeit mich in eine schwere Depression schlittern ließen. Es kam zu einem SMV im Jänner 2019 worauf ich 3 Wochen lang auf eine geschlossene Akutpsychiatrie kam. Mein Zustand dort war so schlecht dass man die Lexotanildosis (wieder 3x tgl. 3 mg.) beibehielt und man im Arztbrief bemerkte das eine Reduktion erst nach einer psychischen Stabilisierung angestrebt werden sollte. Meine Entlassungsmedikation: Inderal 10 mg 1/0/0/1, Lexotanil 3mg 1/1/1/0, Tritticoo 150mg 0/0/0/1 1/2, Sertralin 50mg 1 1/2 /0/0/0

Jetzt zu meinen Fragen:

1. Welche medikamentösen Möglichkeiten gibt es um Entzugssymptome wie Unruhe, Gereiztheit, Schlaflosigkeit, Gedankenkreisen etc. etwas abzufedern?
2. Macht eine Umstellung auf Diazepamtropfen Sinn, wenn man sehr langsam abdosieren möchte?
3. Kann man eine Entzugsbehandlung auch im geschlossen Setting durchführen lassen, um sich bei schweren Entzugssymptomen nicht zu gefährden? (Eine verzweifelte Option... ich weiß...)

Liebes Team: Vielleicht könnt Ihr mir mit Eurer Erfahrung ein wenig weiterhelfen?

Vielen Dank und Liebe Grüße
Richard

 

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Antw:Lexotanilabhängikeit
« Antwort #1 am: 13 Februar 2020 »
Sehr geehrter Richard,

Sie schildern eine sehr komplexe Situation mit vielen verschiedenen Symptomen, welche ohne ein persönliches Gespräch nicht gut eingeordnet werden kann. Ich empfehle Ihnen in jedem Fall eine kontinuierliche psychiatrisch-fachärztliche und auch eine psychotherapeutische Begleitung. Grundsätzlich sind Antidepressiva geeignet, die geschilderten Symptome abzufangen, eine entsprechende Therapie wurde ja offensichtlich auch schon während der stationären Behandlung begonnen.

Bei der geschilderten Bromazepam-Abhängigkeit scheint es sich um eine sogenannte Low-Dose-Abhängigkeit – ohne Tendenz die Dosis zu steigern – zu handeln, die tatsächlich toleriert werden kann, bis eine psychische Stabilisierung, ggf. im Rahmen einer ambulanten Psychotherapeutischen Behandlung erfolgt ist. Die Dosisreduktion würde ich noch langsamer vornehmen.

OÄ Dr. Kirsten Habendank – Therapiestation Lukasfeld