Autor Thema: Ich schiele jeden Tag nach den Benzos in der Schublade  (Gelesen 475 mal)

r.schoaf

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Warum?

Bei mir wurde vor etwas mehr als 2 Jahren nach einer Lungenembolie und zeitweisen Panikattacken vor allem aber nach immer wieder auftretender quälender Unruhe mit wirr kreisenden Gedanken vom Neurologen eine Angststörung diagnostiziert, die er vorerst (wegen des Schlafes) mit Trittico (150 mg am Abend) behandelte.
Da meine Unruhe aber vorwiegend tagsüber auftrat bekam ich von meinem Hausarzt (für den Bedarfsfall) Temesta 1 mg verschrieben. Die Temesta halfen mir zwar gut, aber das Wissen um Ihre Gefahren und der Umstand, dass ich seit mehreren Wochen angefangen hatte, sie täglich zu nehmen verstärkten umgekehrt meine Ängste und so entschloss ich mich meinen Neurologen aufzusuchen um eine Alternative zu erhalten.

Er verschrieb mir dann auch Escitalopram 10 mg bei Beibehaltung des Trittico und verlangte von mir, das Temesta umgehend abzusetzen. Ich interpretierte dieses umgehend als sofort und ließ auch gleich einmal das Temesta weg, die Zustände in der betreffenden Nacht machten mir aber sofort klar, dass ich es nur langsam ausschleichen konnte.
Leider war ich auch nicht über den Umstand aufgeklärt, dass die ADs anfangs möglicherweise gerade meine Unruhe verstärken konnten und so wurde der anschließende Kroatienurlaub zu einem Fiasko sondergleichen, mit quälender Unruhe (trotz der immerhin leicht reduzierten Temesta-Ration), Angst, Panik und so weiter. aber irgendwie überstand ich die 2 Wochen und konnte wieder daheim mit meinem Hausarzt dann endgültig einen Plan zum ausschleichen vereinbaren (Umstellung auf Diazepam, dann Ausschleichen von Diazepam über 3 Monate) und nach 4-5 Wochen schienen auch die Escitalopram ihre Wirkung zu erzielen und es ging mir spürbar besser. Bald stellten sich wieder leichte Unruhezustände tagsüber ein, worauf mir vom Neurologen eine Erhöhung der Escitalopram von 10 auf 20 mg angeordnet wurde, und er zusätzlich meinte ich solle noch zusätzlich tagsüber Trittico nehmen um zu entspannen. Und als Notfallsmedikament bekam ich noch Quetialan 25mg verschrieben, das ich bei Bedarf nehmen sollte (tat ich aber lange nicht). Auch hieß er meinen Auschleichplan für Temesta gut, und meinte ich könne mir durchaus auch länger Zeit nehmen.

Das lief auch, mit Höhen und Tiefen, aber es lief. Mit dem neuen Jahr 2018 war ich auch recht klaglos das Diazepam losgeworden, war manchmal mehr müde manchmal weniger, aber ich begann mit Anfang Sommer sogar wieder zu laufen (das hatte ich wegen Rückenproblemen komplett zurückgenommen). Anfang Juli erlitt ich dann einen schweren Trümmerbruch der linken Hand mit OP, aber auch der warf mich vorerst nicht aus der Bahn. Erst die Aussicht, dass ich möglicherweise eine 2. OP benötigte (brauchte ich GSD nicht) führte wieder zu den gut bekannten Unruhezuständen. Nicht ganz so stark wie früher, aber wie auch damals schon immer am Tage, gegen Abend hin kam ich immer einigermaßen zur Ruh.

Mein Neurologe ergänzte daraufhin meine Behandlung mit Quetialan XR 50mg, von denen ich eine am Abend und eine am Morgen einnehmen sollte. Die am Tag machte mich zu sehr müde und so nannte er mir als Alternative, dass ich eben tagsüber morgens und mittags je 1/2 Quetialan 25 mg nehmen sollte und je nach Bedarf bis zu 3 zusätzlich.

Heuer mitten im Sommerurlaub, der bislang sehr schön verlaufen war, waren dann wieder mit einem Schlag meine quälende Unruhe da und zwar gefühlt so stark wie damals bei der Umstellung auf Escitalopram, und eigentlich auch hauptsächlich tagsüber. Abends komme ich zumindest soweit zur Ruhe, dass ich mich ohne Probleme ins Bett legen kann und schlafe auch meist gut durch, bis zu dem Moment wo ich aufstehen sollte, dennoch im Bett bleibe, und mich dabei bedeutend mehr quäle, aber dennoch endlos brauche bis ich dann doch aufstehe.

Montags also zum Neurologen, habe auch sofort ohne Umschweife einen Termin bekommen und nach einigem hin und her folgende neue Medikation:

Trittico weg
Escitalopram 20 mg noch eine Woche nehmen, dannach nur mehr 10 mg wieder eine Woche und dann ganz weg.
Mirtacapin 15 mg ab sofort abends vor dem Schlafen, nach 2 Wochen dann 30 mg.
Quetialan 50mg - 100mg abends vor dem schlafen.
Als Notfallstabletten wieder die Quetialan 25 mg bis zu 3 mal bei Bedarf.
Keinesfalls Temesta!!!

Und jetzt zurück zum Anfang. Mir fehlt irgendwie das Vertrauen, dass die neue Medikation helfen kann und das macht mir Angst, und so schiele ich dennoch nach wie vor auf die Temesta in der Schublade, und weiß nicht ein noch aus.

Danke für die Aufmerksamkeit
Robert

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Sehr geehrter Robert,

die vom Neurologen vorgeschlagene medikamentöse Umstellung macht auf jeden Fall Sinn, wichtig ist auf eine ausreichend lange Einnahmedauer und regelmäßige Einnahme zu achten. Im Laufe von 2 bis 3 Wochen sollten die Medikamente entsprechend gut wirken, das der Druck Temesta einzunehmen deutlich weniger wird.

Ich wünsche alles Gute für die Umstellung.

Mit besten Grüßen,
Prim. Priv.-Doz. Dr. Michael Willis – Krankenhaus Maria Ebene