Autor Thema: Absetzen von Citalopram  (Gelesen 1675 mal)

Gisela

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Absetzen von Citalopram
« am: 12 Juli 2014 »
Mein Ehemann hatte vor 3 jahren eine sehr schwere Herzoperation und seitdem muss er einige Medikamente nehmen (Blutverdünnung, blutdrucksenkend etc, auch Eutirox 0,25) seit mindestens 2 Jahren nimmt er auch Citalopram 20 jeden Tag. Ein halbes Jahr vor der Diagnose, die zur Operation führte (ein Aortenaneurysma + eine erbliche Aortenanomalie), durchlebte mein Mann ein schweres Trauma, da er durch Mobbing seine Arbeit verlor und auch keine mehr fand (er war 57).
Zu der Zeit rauchte er ca 60 Zigaretten am Tag und auch Alkoholmissbrauch fand regelmäßig statt, jetzt raucht er null und hat auch kein 'Verlangen, Alkohol hält sich in Grenzen. Vom Temperament ist er nicht depressiv, aber nach der Operation ging es ihm schlecht, auch weil er das schwere Trauma nicht verarbeiten konnte. Jetzt finden wir beide, dass er dieses Citalopram absetzen soll, er hat stark zugenommen, ist dauernd schläfrig, halbs deppert, wie man so sagt, ohne Antrieb, alles kostet Energie. Er hat 1 woche die Hälfte genommen und seit Sonntag nichts mehr. Er fühlt sich teileweise nicht gut, schläfrig, auch sehr langsam, schwindelig, auch leichte übelkeit. Sein Hausarzt ist Kardiologe und hat ihm immer das Medikamente ohne rückfrage verschrieben, aber, wie gesagt, ist er vom Typ her nicht depressiv. Er neigt zu Ängsten, aber er kann das verbalisieren. Können Sie mir bitte eine Empfehlung geben, was man jetzt als Übergang tun soll? Herzlichen Dank.

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Antw:Absetzen von Citalopram
« Antwort #1 am: 15 Juli 2014 »
Liebe Gisela, ich würde Ihrem Gatten raten abklären zu lassen, ob nicht vielleicht eine psychische oder evtl. auch körperliche Alkoholabhängigkeit vorliegen könnte, die geschilderten Symptome, wie Schwindel und Übelkeit könnten durchaus damit im Zusammenhang stehen. Im Hinblick auf die Gesamtsituation und seine Ängste würde ich ihm auf alle Fälle eine psychotherapeutische Gesprächstherapie empfehlen. Von der Verordnung von Psychopharmaka sollte derzeit eher Abstand genommen werden, da diese sich mit Alkohol ohnehin nicht vertragen. Auf alle Fälle möchte ich dabei noch darauf hinweisen, dass keine Benzodiazepine eingenommen werden sollten, also Beruhigungs- bzw. Schlafmittel, da diese ein hohes Abhängigkeitspotential haben und mit anderen Medikamenten interagieren
und dämpfend wirken. Sollte ihr Gatte bisher solche Medikamente bereits über längere Zeit genommen haben (was sie jedoch nicht anführen), sollte auch diesbezüglich eine Entgiftungsbehandlung durchgeführt werden.

Mit besten Grüßen und alles Gute
Dr. Helmut Jarosik – Krankenhaus Maria Ebene