Autor Thema: Heroin-Entzug  (Gelesen 7896 mal)

Martina

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Heroin-Entzug
« am: 23 April 2006 »
Hallo zusammen
da ich immer wieder auf eurer homepage herumstöbere, eure beiträge, wie auch im sos-forum alles nachlese, komme ich jetzt auch einmal mit einer frage auf euch zu. wie steht ihr zu dem medikament naltrexin, welches den konsum von heroin und methadon nutzlos macht, d.h. dass es die wirkung von heroin und methi blockiert.
ein freund hat jetzt nach dem entzug mit diesem medikamt begonnen und ist sich total sicher, dass er es so schafft. doch wie es scheint ist es nicht sehr verbreitet, da man doch fast niergends etwas darüber liest und es offensichtlich in offiziellen entzugskliniken nicht gebraucht wird.
ich muss noch anmerken, dass unser freund das heroin nicht spritzt und unter der woche ganz gut ohne das leidige zeug sein kann. wir verstehen eigentlich nicht, dass er es nicht auch mit dem eigenen willen, ohne medis, schaffen könnte, da er ja nicht täglich konsumieren muss?!
ich freue mich auch eure meinung dazu zu hören und danke euch im voraus bestens.

ME-Redaktion

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Re: Heroin-Entzug
« Antwort #1 am: 24 April 2006 »
Liebe Martina,

Naltrexin oder Naltrexon wird unter dem Namen Nemexin vertrieben. Es ist ein Opioidantagonist, der auch zur Rückfallprävention beworben wird. Die Wirkung von Opioiden wird dadurch blockiert. Nemexin wird als Tablette eingenommen, es unterdrückt nicht die Lust auf Heroin, sondern die Wirkung, wenn welches genommen wird. Ist dem Antabus vergleichbar, das in der Behandlung nach Alkoholabhängigkeit gegen Rückfälle angewendet wird.

Gefahr: Nach Absetzen ist die Herointoleranz schnell verschwunden, die Wahrscheinlichkeit von Überdosierung sehr hoch! Aufgrund zahlreicher solcher Vorfälle wird von deutschen Spezialisten der Einsatz von Nemexin abgelehnt. Weiters ist die Beikonsumgefahr hoch, da der Betroffene ja nicht mehr ?zu? wird.

Einnahme des Medikaments sollte unter Sichtkontrolle erfolgen, der Betroffene sollte in der Phase der Nemexinbehandlung auch in einem hochfrequenten Betreuungsverhältnis stehen, damit die Beikonsumgefahr eingeschätzt werden kann. Im Vorarlberger Substitutionsrepertoire wird mit einem Opiatantagonisten als Substitutionsmittel gearbeitet: Subutex.
« Letzte Änderung: 24 April 2006 von ME-Redaktion »

ME-Redaktion

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Re: Heroin-Entzug
« Antwort #2 am: 25 April 2006 »
Liebe Martina,

Naltrexon (Nemexin ® und ReVia®) werden in der längerfristigen Entzugsbehandlung eingesetzt. Es handelt sich dabei um eine so genannte Anticraving-Substanz, die den Suchtdruck und das Verlangen nach Opiaten (auch nach Alkohol) herabsetzen kann. Es handelt sich um eine Substanz, die sich an den Opiatrezeptor bindet und somit besetzt, Opiate haben dann keine so starke Wirkung mehr. Wir verordnen diese Substanzen sehr wohl, aber nicht großflächig, weil sie nicht ungefährlich ist. Wenn nämlich jemand unter Naltrexon konsumieren möchte, muss er sehr viel Heroin spritzen, bis er etwas spürt. Das kann zu gefährlichen und lebensbedrohlichen Zwischenfällen führen. Außerdem ist es ein Medikament, das wie jedes andere auch unterschiedliche Nebenwirkungen haben kann; z.B. Müdigkeit oder sexuelle Lustlosigkeit. Das ist aber nicht in jedem Fall so und bessert sich meist auch nach wenigen Wochen. Empfohlen werden Behandlungszyklen von 3 ? 6 Monaten. Wenn eine regelmäßige Einnahme nicht gewährleistet ist (tägl. 1 Tablette) ist die Behandlung nutzlos.

Wenn sich jemand auf Naltrexon einstellen lassen möchte, muss dies eine verlässliche und vernünftige Persönlichkeit sein, da die Behandlung, wie erwähnt, mit gewissen Risiken vergesellschaftet ist. Es bedarf auf jeden Fall einer ärztlichen Verordnung und Begleitung.

Vielleicht noch ein letzter Punkt: Das Medikament ist ziemlich teuer.