Autor Thema: spielsucht  (Gelesen 3179 mal)

lolo

  • Gast
spielsucht
« am: 20 März 2009 »
Hallo, bin aus gegebenem Anlass wieder einmal auf diese Seite gestossen. Möchte diese Gelegenheit nützen und mich endlich bei Frau Köhlmeier entschuldigen. War eine Zeit lang bei Ihnen zur Beratung, hatte einen Termin verschwitzt und schob´´s dann ewig vor mich her,mich zu entschuldigen und um einen neuen Termin zu bitten. Bis ich´s dann ganz aufgab. Aber ich möchte mich auf diesem Weg ganz herzlich für die Hilfestellung bedanken, die sie mir angedeihen ließen. Es war sehr viel wert für mich, mit einer neutralen Person über meine langjährige Suchterfahrung als (Co-abhängiger) Angehöriger eines Spielsüchtigen zu sprechen. Es hat mich bestärkt in meinem Wissen, dass ich konsequent(er) sein muss.
Es hat sich an der eigentlichen Spiel-Situation nicht viel geändert. Ein ewiges Auf- und Ab, das sich manchmal aufzulösen schien, dann aber doch immer wieder mit voller Härte zuschlug. Immer ein wenig mehr.
Momentan hat mein Partner meiner Meinung nach seinen finanziellen Plafont erreicht. Aber wahrscheinlich hat er sich wieder ein Hintertürchen offen gelassen, sodass es lustig weiter geht.
Aber es hat sich doch etwas geändert, nach und nach. Meine Ängste, die mich immer wieder zu Kompromissen gezwungen haben, haben sich langsam aufgelöst. Angst vor seinem Zorn, vor Streit, vor dem Verlassenwerden, vor seinem Geldverlust, davor, dass wir eine geplante Reise nicht antreten könnten, vor seinen Beschimpfungen, vor seinem Liebesentzug usw.
Ich weiß jetzt, dass mir  n i c h t s  passieren kann. Ich liebe ihn und genieße jede unbeschwerte Minute mit ihm aber ich weiß auch, dass er krank ist, ein großes Problem hat, das er nur mit seinem Willen lösen kann. Anstatt seine Scherben zusammen zu kehren (was ich wörtlich schon oft gemacht hatte), kümmere ich mich in "schwierigen/spinnenden" Phasen um wichtige Dinge meines Lebens, meinen Job, meine Wohnung, meine Kinder, Freunde und mich. Und obwohl es jedesmal, wenn er mich mit einer Hiobsbotschaft über tausende EUr Verlust und seinen Schuldzuweisungen und Beschimpfungen aus heiterem Himmel überfällt, im ersten Moment immer noch sehr sehr weh tut, bin ich danach gelassener, weil ich nicht mehr in diese sinnlose Panik verfalle.
Ganz kalt werden mich diese Dinge nie lassen. Aber: Ich habe keine Angst mehr. Das ist sehr wertvoll. Ja, ich habe immer noch Hoffnung, die stirbt ja bekanntlich zuletzt. Aber ich weiß, dass es sein Leben ist, seine Verantwortung, auch wenn er vielleicht gar nichts dafür kann. Aber wenn er es anders haben will, dann muss er es anders machen. Mir kommt vor, dass er doch ziemlich damit zu kämpfen hat, wenn er bemerkt, dass ich nicht mehr ganz die alte bin. Es kommt ihm dabei ein wenig die Orientierung abhanden. Das sind dann leider Anlässe zu spielen. Ich nehme immer noch Rücksicht auf seine (wie ich vermute) borderline-Erkrankung. Wenn´s geht, versuche ich seine Schwachstellen nicht auszureizen. Aber wenn es zu viel Selbstverleugnung von mir erfordern würde oder meinen Job oder meine finanzielle Existenz bedrohen würde oder sein Spielverhalten unterstützen würde, gehe ich keine Kompromisse mehr ein, auch wenn er kurzfristig ausflippt und unvorhersehbare, unglaubliche Dinge anstellt. Vielleicht bewirkt mein geändertes Verhalten auf lange Sicht auch bei ihm eine Umstellung. Ich weiß, dass meine Konsequenz gefordert ist. Und das steht auch in roten Lettern auf meinem PC - KONSEQUENZ. Und auch wenn er beschließt, sein ganzes restliches Leben in diesem Sumpf zu verbringen, heißt das nicht, dass ich mich mit hinunter ziehen lassen muss. Ich wünsche mir, dass ich es ganz schaffen werde, mich nicht mehr von seinen agressiven und in Folge depressiven Verlustphasen in meiner Lebenslust und meiner konsequenten Umsetzung meiner Pläne behindern zu lassen und dass er trotzdem spürt, dass ich ihn liebe und immer für ihn da sein werde. Und ich wünsche mir, dass ich die Kraft habe, ihm dann zu helfen, wenn ihm meine Hilfe wirklich nützt.

Möchte mich noch ein Mal bei Ihnen, Frau Köhlmeier, bedanken. Ich bin durch Sie ein wenig stärker geworden. Auch wenn ich nicht im Idealzustand lebe, ist es der, für den ich mich entschieden habe. Und wenn ichs anders haben möchte, muss ich´s anders machen.... Danke, dass Sie mir ein Stückchen dabei geholfen haben, denn es ist nicht leicht.

ME-Redaktion

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Re: spielsucht
« Antwort #1 am: 24 März 2009 »
Liebe Lolo, danke für den Eintrag und den Einblick in Ihr Leben. Gerne habe ich Ihren Eintrag an Christine Köhlmeier weitergeleitet. Ich wünsche Ihnen viel Kraft und dass Sie Ihren Weg zielstrebig weiter gehen. Viktoria Sammali