Klinik wird zur rauchfreien Zone

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Bild: Wolfgang Grabher, Leiter des Projekts „Rauchfreies Krankenhaus“

Text: NEUE, Danielle Biedebach, 8.5.2018

Klinik wird zur rauchfreien Zone

So manchen mag es vielleicht verwundern, dass ausgerechnet eine Suchtklinik als „rauchfrei“ zertifiziert wurde. Entgegen der Annahme von Experten gestaltete sich das Vorhaben in der Einrichtung Maria Ebene wenig schwer. Mehr noch. Die Klinik nimmt nun sogar eine Vorreiter-Rolle ein. Die Einrichtung ist überhaupt die erste im Land, auf deren gesamten Areal ab sofort qualmfreie Zone herrscht.

„Es ist ein Bekenntnis zur Gesundheit und zum Nichtraucherschutz“, meinte Gesundheitslandesrat Christian Bernhard. Gemeinsam mit Verantwortlichen der Klinik und Präventionsexperten informierte er am Montag bei einer Pressekonferenz über die Auszeichnung.

Bei den Landeskrankenhäusern seien ebenfalls Überlegungen zur Rauchfreiheit im Gange. „Mein Wunsch wäre es, flächendeckend bis Ende 2018 sämtliche Krankenhäuser als rauchfrei ausweisen zu können“, sagte Bernhard.

Rauchzonen nun Geschichte. Das generelle Rauchverbot im Gebäude der Suchtklinik in Frastanz gilt schon seit 2002. Der Prozess zum kompletten Nichtraucher-Areal wurde 2017 gestartet. Bis dato gab es noch immer zwei Raucherzonen (Terrasse und Balkon). Die sind nun Geschichte. Im Eingangsbereich sind keine Raucher mehr zu sehen. Kein Qualm zieht mehr ins Gebäude. Stattdessen fallen blaue „Rauchfrei“-Schilder auf, welche überall auf dem Gelände installiert wurden.

Suchtmittel. Laut Experten ist es aus therapeutischer Sicht wichtig, Patienten überhaupt die Möglichkeit zu geben, weniger zu rauchen. Zumindest während des stationären Aufenthalts. Die grundsätzliche Problematik bei Nikotin sei nämlich die verharmlosende Einordnung als Genussmittel. „Wir müssen hin zur Einstufung von Tabak als Suchtmittel“, verdeutlichte Primar Michael Willis. Nikotinkonsum führe zur Abhängigkeit, das hätten Studien längst bewiesen. „Zwischen dem 20. und dem 30. Lebensjahr rauchen besonders viele Österreicher regelmäßig Zigaretten. Im Laufe der Lebensjahrzehnte werden die Konsumenten wieder verstärkt zu Nichtrauchern“, berichtete Willis. Aber einige schafften es eben nicht, alleine davon wegzukommen. Und brauchten professionelle Hilfe.

In der Einrichtung Maria Ebene werden zwar primär Patienten wegen ihrer Alkoholabhängigkeit stationär behandelt. Es gibt aber auch die Möglichkeit zur Therapie für nikotinabhängige Menschen. „Diejenigen, die tatsächlich aufhören wollen, haben es leichter, wenn sie erst gar nicht mit Zigaretten in Kontakt kommen“, erläuterte der Primar.

Darüber hinaus würden auch Alkoholabhängige – sofern sie Raucher sind – davon profitieren, gleichzeitig den Glimmstängeln zu versagen. „Statistisch gesehen sind diese Patienten länger oder konstanter abstinent als solche, die weiterrauchen“, verdeutlichte Willis.

Viele alkoholkranke Patienten wären der Ansicht, man solle ihnen doch „zumindest das Rauchen“ lassen. „Aber Nikotin ist eine Droge“, stellte Willis klar. Der Konsum verändere die Wahrnehmung. Und damit das therapeutische Herangehen. „Wer raucht, hat eine andere Realitätsaufnahme.“

Vorbildwirkung. Auch in der Suchtprävention gibt es laut Experten Parameter, welche den Verzicht einfacher oder schwieriger gestalten. „Ein Aspekt ist die Verfügbarkeit. Wenn überall Rauchverbot herrscht, dann minimiert das automatisch die Anzahl der gerauchten Zigaretten. Im besten Fall gen null“, meinte auch Andreas Prenn von der Supro. Andere Aspekte seien Normen und Werte, die herrschen würden. „Wenn auf dem Areal einer Klinik geraucht wird und sogar Personal gemeinsam mit Patienten Tabak konsumiert, vermittelt das den Eindruck von Normalität“, sagte Prenn. Dazu komme die Vorbildwirkung. Prenn erwarte von jedem Arzt, dass er nicht raucht. Zumindest nicht vor Patienten. Gerade wenn Mediziner und Gesundheitspersonal Tabak konsumieren würden, verharmlose das und wirke unglaubwürdig. „Sobald ein Patient sieht, dass ein Mitarbeiter raucht, sind die therapeutisch gesteckten Ziele nicht mehr sinnvoll“, ergänzte Willis.

Acht Standards. Leiter des Projekts „Rauchfreies Krankenhaus“ ist Wolfgang Grabher von der Stiftung Maria Ebene. Zwar startete der Prozess bis hin zur Zertifizierung bereits 2017, die Verantwortlichen der Klinik engagieren sich jedoch schon seit Jahren in der Tabak-Prävention. „Da war es nur logisch, einen derartigen Schritt zu setzen“, sagte Grabher. Eine solche Zertifizierung bedeute mehr, als das Rauchen nach draußen zu verlagern. Insgesamt acht Standards müssen erfüllt werden. Eckpunkte sind beispielsweise ein Verkaufsverbot von Tabakwaren oder E-Zigaretten auf dem Klinik-Gelände, die Aufklärung über die schädlichen Folgen von Zigaretten-Konsum, der Schutz vor Passivrauch oder die aktive Unterstützung beim Entwöhnen.

Nichtsdestotrotz darf niemandem generell verboten werden, Tabak zu konsumieren. „Es gibt noch Mitarbeiter, die rauchen. Die wurden motiviert, das am Arbeitsplatz nicht mehr zu tun. Oder ausschließlich in Zonen, wo kein Kontakt zu Patienten besteht“, berichtete Willis.

Auch Patienten oder Besucher, die es trotzdem nicht lassen können, müssen in einen externen Rau­cher­bereich ausweichen. Die­ser befindet sich auf einem Parkplatz, am Eingang des ­Areals. Wichtig sei es, trotzdem eine solche Zone einzurichten, damit Patienten nicht in einen uneinsehbaren Bereich außerhalb flüchten müssen.