Jahresbericht 2016

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Die Verantwortlichen der Stiftung Maria Ebene präsentierten bei der Pressekonferenz am Donnerstag, den 30. März 2017, im Clean Bregenz die aktuellen Zahlen, Daten und Fakten zum abgelaufenen Geschäftsjahr 2016. Im Fokus 2017: Die Stiftung Maria Ebene sieht sich als Arbeitgeber und Ausbildungsstätte mit Herausforderungen konfrontiert, thematisch spielt die „Selbstsucht“ eine wichtige Rolle.

Im Rahmen einer Pressekonferenz lud die Stiftung Maria Ebene am Donnerstag, den 30. März 2017, zum Resümee 2016 sowie Ausblick 2017 in die Beratungsstelle Clean in Bregenz ein. Neben der Präsentation des Jahresthemas 2017 „Selbstsucht“ sowie der aktuellen Zahlen, Daten und Fakten 2016 zu den einzelnen Stellen der Stiftung lag der Fokus von Verwaltungsdirektor Mag. Günter Amann vor allem auf der Situation der Stiftung Maria Ebene als Arbeitgeber und Ausbildungsstätte: „Das Krankenhaus, Carina und Lukasfeld sind zu über 90 Prozent ausgelastet, die Beratungsstellen Clean verzeichnen insgesamt fast 25.000 Leistungen an Klienten und die Präventionsstelle SUPRO – Werkstatt für Suchtprophylaxe erreichte nahezu 9.000 Personen mit ihren Angeboten. Die insgesamt ca. 150 Mitarbeitenden leisten hervorragende Arbeit und arbeiten größtenteils seit über 10 und 15 Jahren bei uns – die Haltquote spricht für die Attraktivität der Stiftung als Arbeitgeber. Nichtsdestotrotz steigt unser Bedarf an medizinischem Personal in den nächsten Jahren deutlich an, vor allem aufgrund einer Pensionierungswelle bis 2020. Eine nicht ganz leichte Situation, bedenkt man den allgemeinen Ärztemangel und die speziellen Anforderungen im Suchtbereich. Wir wollen in den nächsten Monaten das Arbeiten in der Stiftung bzw. mit Suchtkranken vermehrt in den Kommunikationsfokus stellen und mit Informationen aus erster Hand dem Mangel an Fachärzten entgegenwirken.“ Bis zum Jahr 2020 gehen 14 Personen in verschiedenen Stellen der Stiftung in Pension.

Jahresthema „Selbstsucht“

„Selbstsucht“ ist eine der wichtigsten Ursachen von Abhängigkeitserkrankungen, stellt sich häufig als Folge eines Suchtprozesses ein und kann schließlich selbst zu einer eigenständigen Krankheit werden. „Das Thema lag quasi auf der Hand, bewegt sich die gesellschaftliche Entwicklung derzeit in Richtung Narzissmus. Die Ich-AG und die Egomanie sind in den Mittelpunkt gerückt. Der zugespitzte Narzissmus mit Selfie-Mania, Körperkult und dem ‚sich Präsentieren’ auf sozialen Kanälen zeigt viele Elemente der Sucht. Auch haben die Drogengebrauchsmuster einen narzisstischen Aspekt bekommen, in dem vor allem Substanzen, welche ein egozentrisches Gefühl geben – wie Ecstasy, Amphetamine, Speed und Kokain – bevorzugt werden. Die Stiftung Maria Ebene hat sich deshalb entschlossen, das Thema Selbstsucht zum Jahresthema zu machen und in der Kommunikation bzw. Öffentlichkeitsarbeit verstärkt über die ‚Suchtpotentiale’ im digitalen Zeitalter aufzuklären.

Damit wird nicht nur demonstriert, dass sich unser Suchttherapie stets am Puls der Zeit bewegt, sondern dass Suchttherapie auch weit über die klassische körperliche und psychiatrische Behandlung hinausgeht und der allgemeinwirtschaftlichen Entwicklung Rechnung trägt“, gibt Univ.-Prof. Dr. Reinhard Haller Einblick in das Jahresthema der Stiftung Maria Ebene.

Stiftung als Arbeitgeber: zukünftiger Bedarf vs. Nachfrage
„Wenn man sich den ‚Gesamtkuchen Medizin’ vorstellt, dann macht die Psychiatrie nur ein kleines Stück der Fachärzte aus. Wiederum ein kleiner Teil der Psychiatrie ist die Suchtarbeit – man kann also sagen, dass unsere tägliche Arbeit mit Suchtkranken nicht nur ein spezielles persönliches Interesse, sondern auch psychiatrische Grundanforderungen voraussetzt“, erklärt Dr. Sylvia Thöny-Lampert, Oberärztin im Krankenhaus Maria Ebene. Auch der Diplomierte psychiatrische Gesundheits- und Krankenpfleger Martin Waldner, Stellenleiter Pflege in der Therapiestation Lukasfeld, sieht spezielle Herausforderungen in der Suchtarbeit: „Im Gegensatz zur Arbeit in Seniorenheimen oder anderen Krankhäusern, verrichten wir in der Arbeit mit Suchtkranken wenig bis gar keine körperliche Pflege. Dafür sind wir verstärkt Teil der Therapie wie im Bereich der Lebenskompetenz oder bei Freizeitaktivitäten.“ Die Herausforderungen für die Ärzte- und Pflegschaft sowie Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter sind dabei dieselben: Die Patient/innen sind sehr fordernd und die Arbeitsinhalte sowie die Sichtbarkeit des beruflichen Erfolges unterscheiden sich vom „Quellberuf Arzt“.
Der momentan schwierigen Suche nach medizinischem Personal steht ein großer Zulauf an Praktikanten gegenüber. Im Jahr 2016 waren es 51, zudem beschäftigte die Stiftung 10 Zivildiener. „Durch das breite Angebot der Stiftung und die verschiedenen Stellen können wir für die Bereiche Psychologie, Sozialarbeit, Pflege und Kreativtherapie Praktika anbieten. Das heißt auch, die Stiftung ist zu einem großen Teil für die Ausbildung der Vorarlberger Nachwuchskräfte in diesen Bereichen verantwortlich“, informiert Mag. Anja Burtscher, Klinische Psychologin in der Therapiestation Carina, und ergänzt: „Die Dauer der Praktika unterscheidet sich je nach Fachgebiet und liegt zwischen 4 Wochen bis zu 8 Monaten. In der Psychotherapie zum Beispiel lernen die Praktikantinnen und Praktikanten den therapeutischen Alltag kennen, bekommen einen Einblick in alle Therapiebereiche und können den Therapieverlauf eines Patienten über längere Zeit verfolgen. Sie nehmen unter anderem an Gruppentherapien, aber auch an Zielvereinbarungsgesprächen und Fallbesprechungen teil. Gleichzeitig haben sie die Chance sich für eine Anstellung zu profilieren, denn einen Großteil der vakanten Stellen besetzen wir aus den Reihen unserer Praktikanten.“

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