Jahresbericht 2015

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Bild v.l.n.r.: Mag. Günter Amann (Verwaltungsdirektor Stiftung Maria Ebene), Mag. Christine Köhlmeier (Stellenleiterin Clean Feldkirch), Dr. Kirsten Habedank (Stellenleiterin Therapiestation Lukasfeld), Univ.-Prof. Primar Dr. Reinhard Haller (Chefarzt der Stiftung Maria Ebene)

Im Rahmen der Pressekonferenz am Mittwoch, den 30. März 2016, in der Beratungsstelle Clean Feldkirch präsentierte die Stiftung Maria Ebene ihre Zahlen, Daten und Fakten der Jahresbilanz 2015. Im stellenübergreifenden Themen-Fokus 2016: Die Angehörigenarbeit. Bei keiner anderen Erkrankung spielen die Angehörigen eine so wichtige Rolle wie bei Abhängigkeiten, so Univ.-Prof. Primar Dr. Reinhard Haller.

Die Stiftung Maria Ebene lud am Mittwoch, den 30. März 2015 zur jährlichen Präsentation des Jahresberichts. Neben der Präsentation der Zahlen, Daten und Fakten zum Geschäftsjahr 2015 durch Verwaltungsdirektor Mag. Günter Amann, gaben Univ.-Prof. Primar Dr. Reinhard Haller, Chefarzt der Stiftung, Dr. Kirsten Habedank, Stellenleiterin Therapiestation Lukasfeld sowie Mag. Christine Köhlmeier einen Einblick in die Angehörigenarbeit der Stiftung – das stellenübergreifende Jahresthema 2016. „Die im Herbst begonnene Erweiterung und Sanierung am Krankenhaus Maria Ebene fand im Dezember 2015 ihren Abschluss. Sämtliche Arbeiten erfolgten im Bauzeitplan, die geschätzten Herstellungskosten in der Höhe von drei Millionen wurden eingehalten“, informiert Günter Amann und führt weiter an: „Auch die Auslastung aller stationärer Einrichtungen  – dem Krankenhaus und der Therapiestationen Carina und Lukasfeld – ist konstant hoch mit einer durchschnittlichen Auslastung von 91 Prozent. 597 Patientinnen und Patienten waren 2015 stationär in Behandlung. Die Beratungsstellen Clean verzeichneten 1.045 betreute Personen und 27.743 Leistungen an Klienten. Die SUPRO – Werkstatt für Suchtprophylaxe erreichte mit ihren Vorträgen, Workshops, Fortbildungen und Projekten 9.029 Personen.“ Im Vergleich zum Jahr 2012 verringerte sich die Zahl der Patient/innen unter 20 Jahren von 13,3 auf 10,7 Prozent. „Die oft vorherrschende Meinung, die Menschen mit Suchtproblemen würden immer jünger, bestätigen diese Zahlen nicht. Die Gruppe der 20- bis 29-Jährigen ist nach wie vor mit Abstand die größte, gleichzeitig wächst die Gruppe der 30- bis 39-Jährigen. Fakt ist aber, dass in allen Gruppen die Angehörigenarbeit in unserer täglichen Arbeit äußerst wichtig ist. Bei keiner anderen Erkrankung spielen die Angehörigen eine so wichtige Rolle wie bei den Abhängigkeiten“, erklärt Haller. Die Stiftung Maria Ebene stellt das Thema Angehörigenarbeit im Jahr 2016 in den Fokus.

Ein Süchtiger, viele Leidende
„Die Alkohol-, Medikamenten- und Drogensucht wirkt sich einerseits auf Partner und Familie aus. Andererseits kann das Verhalten der Familienmitglieder die Entstehung und Aufrechterhaltung der Suchtprobleme begünstigen, etwa wenn sie in guter Absicht die Rolle des ‚Co-Abhängigen’ einnehmen. Untersuchungen belegen, dass unter der Sucht eines Betroffenen mindestens 10 weitere Personen leiden“, ergänzt Haller. Nicht nur das Leben der Süchtigen wird durch die Sucht bestimmt, auch das der Angehörigen. „Oft steht der oder die Süchtige unter genauer Beobachtung, die Familienmitglieder hoffen, durch Kontrolle etwas aufhalten bzw. verhindern zu können. Scham und Schuldgefühle sind einerseits oft Motor vieles für den Betroffenen zu tun, was man sonst nicht tun würde. Andererseits sind sie auch der Grund, warum sich Angehörige aus ihrem Umfeld zurückziehen, eigene Interessen vernachlässigen oder sogar unter psychosomatischen Schwierigkeiten wie z. B. Schlaflosigkeit leiden“, informiert Christine Köhlmeier, Stellenleiterin im Clean Feldkirch und gibt weiter einen Einblick in ihre Arbeit: „Die Clean-Beratungsstellen in Bludenz, Bregenz und Feldkirch sind oft der erste Ort, an dem Betroffene über ihre Ängste, Wut, Sorgen und Hoffnungen im Rahmen von Einzel-, Paar- oder Familiengesprächen sprechen können. Immer wichtiger wird dabei die Arbeit mit den kleinen Angehörigen. Hier lernen die Kinder vor allem in tiergestützten Gruppen auf ihre Gefühle zu vertrauen.“

Angehörigentag und Erfahrungsaustausch in stationären Einrichtungen
In den Angehörigengesprächen verdeutlichen die Mitarbeiter/innen suchtförderndes bzw. suchtunterstützendes Verhalten und zeigen Verhaltensalternativen auf. Daneben können Beziehungen analysiert, Schuldgefühle thematisiert und die Ursachen für die Entstehung der Sucht eruiert werden. „In der Therapiestation Lukasfeld laden wir die Angehörigen unter anderem zum Erfahrungsaustausch ein. Erfahrungen, Gefühle und Befürchtungen, wie beispielweise die Süchtigen nach der Entlassung kontrollieren zu wollen, sind genau so Thema, wie substanzfreie Zonen in den eigenen vier Wänden und ein abstinenzfreies Setting bei Wochenendurlauben. Wir beobachten, dass wir zunehmend häufiger Kinder von suchtkranken Eltern in der Therapiestation Lukasfeld behandeln, die ebenfalls wieder Eltern sind. Hier liegt eine Suchterkrankung vor, die mehrere Generationen betrifft und natürlich zu schwerwiegenden Defiziten in der Bindungsentwicklung führen kann, die dann wiederum in der Therapie ‚bearbeitet’ wird“, skizziert Dr. Kirsten Habedank die Arbeit mit den Angehörigen in der Therapiestation Lukasfeld. Im Krankenhaus Maria Ebene sind die Angehörigen in der fünften Therapiewoche zum Angehörigentag geladen. Neben einem Vortrag zur Co-Abhängigkeit, stehen für die Angehörigen die „Kennenlern-Runde“ und der Erfahrungsaustausch mit den weiteren Angehörigen sowie das gemeinsame Therapiegespräch mit dem süchtigen Familienmitglied auf dem Tagesprogramm.

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