Jahresbericht 2013

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Bild: v.l.n.r.: Prof. Primar Dr. Haller (Chefarzt der Stiftung Maria Ebene), Dr. Roland Wölfle (Lukasfeld), Mag. Christine Köhlmeier (Clean Feldkirch), Mag. Andreas Prenn (Supro) und Verwaltungsdirektor Mag. Günter Amann

Am 26. März 2014 stellte die Stiftung Maria Ebene den Jahresbericht 2013 vor. Neben dem Verwaltungsdirektor und dem Chefarzt der Stiftung präsentierten auch die Stellenleiter Zahlen und Fakten zum vergangenen Jahr. Fakt ist: Neue Süchte und die rasante Entwicklung auf dem Drogensektor stellen die Therapie und das Beratungsnetz vor immer neue Herausforderungen.

Jahresbericht 2013 (PDF, 2,1 MB)

Bei der Pressekonferenz am 26. März 2014 zum Jahresbericht der Stiftung Maria Ebene 2013 war ein Thema zentral: Die sich stetig wandelnde Suchtszene sowie die immer mehr dominierenden Verhaltenssüchte stellen sowohl Prävention, Beratung und Therapie vor ständig neue Herausforderungen. „Dem trägt die Stiftung mit ihren einzelnen Stellen seit Jahren Rechnung und rüstet sich darüber hinaus mit ihrem Therapieangebot sowie ihren baulichen Erweiterungen für die Anforderungen der Zukunft. Denn neben den Abhängigkeiten von Alkohol, Medikamenten und Drogen sind in den letzten Jahren vor allem Verhaltenssüchte wie Spiel-, Kauf- und Online-Sucht auf dem Vormarsch. Auch das Genussmittel Nikotin, welches der Killer Nummer 1 ist, darf nicht außer Acht gelassen werden“, sagt Prof. Primar Dr. Haller, Chefarzt der Stiftung Maria Ebene. Neben Prof. Primar Dr. Haller und Verwaltungsdirektor Mag. Günter Amann informierten die Stellenleiter Dr. Roland Wölfle (Lukasfeld), Mag. Christine Köhlmeier (Clean Feldkirch) und Mag. Andreas Prenn (Supro) über Fortschritte und Entwicklungen im Jahr 2013. Verwaltungsdirektor Amann gab eingangs einen allgemeinen Überblick über Gehaltsreform, Personelles und statistische Daten der Bilanz: „Die große Gehaltsreform der Vorarlberger Krankenanstalten war auch für die Stiftung eines der bestimmenden Themen im letzten Jahr. Wir freuen uns, dass auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stiftung – insgesamt sind dies 140 – von der verbesserten Entlohnung profitieren. Besonders wurde auf die hohe Mitarbeiterzufriedenheit hingewiesen. 40 Prozent der Angestellten sind bereits zwischen fünf und 15 Jahren, 27 Prozent sogar schon mehr als 15 Jahre in der Stiftung beschäftigt. Die Tatsache, dass in allen Stellen des Krankenhauses die Gesamtzahlen der betreuten Personen gestiegen ist, zeugt auf der einen Seite von einer sehr guten und flächendeckenden Arbeit, auf der anderen Seite aber auch von einer nicht abnehmenden Suchtproblematik.“
Wandel der Zeit: Stiftung wird Anforderungen gerecht

„Der Mensch ist ein süchtiges Wesen – jeder von uns hat in sich süchtige Anteile, welche sich aus Anlagen, Lebensumständen und Gewohnheiten heraus entwickeln. Dabei hat jede Zeit und jede Kultur ihre Suchtmittel und ihr süchtiges Verhalten“, erklärte Prof. Primar Dr. Haller. War es in den 1960ern Cannabis, später Rohypnol und Heroin, im Zeitalter des Narzissmus Kokain, so rückte in der Internetphase die ‚vernetzende’ Droge Ecstasy in den Vordergrund. „Die heutige Suchtszene ist neben den zeitlosen Süchten nach Alkohol und Medikamenten vor allem von Verhaltenssüchten wie Spiel-, Kauf oder der Online-Sucht dominiert. Darüber hinaus ist und bleibt Nikotin der größte krankheitsfördernde Faktor überhaupt“, informiert Haller. Diese rasanten Entwicklungen und Tatsachen stellen nicht nur die Therapie vor neue Herausforderungen, sondern machen auch neue Einrichtungen bzw. Erweiterungen notwendig. Beispiele sind die Erweiterung des ambulanten und stationären Therapieangebots für Spielsüchtige, das Raucherentwöhnungsprojekt sowie die bauliche Erweiterung für eine Krisenstation. „Wir sind uns bewusst, dass die Stiftung und seine einzelnen Stellen mehr denn je gebraucht werden und arbeiten täglich daran, jedem Süchtigen ein optimales und modernes Therapieangebot zu bieten“, so Haller.
Realität: Von konfrontativen Therapien zur therapeutischen Gemeinschaft

Die Therapiestation Lukasfeld blickt auf das erste „ganze“ Jahr mit der neuen Entgiftungsstation zurück. Durch die Einrichtung mit sechs zusätzlichen Betten hat sich nicht nur die Gesamtsituation verbessert, auch die Wartezeiten haben sich verringert. „Wenn ich an meine beruflichen Anfänge in den 80er-Jahren zurückdenke, erscheint aus heutiger Sicht vieles beängstigend. Behandlungszeiten von eineinhalb Jahren und mehr sowie die teilweise sehr konfrontative Form der therapeutischen Arbeit sind heute nicht mehr denkbar“, erklärt Dr. Roland Wölfle, Stellenleiter Lukasfeld und ergänzt: „Ich bin stolz, sagen zu können, dass wir heute in Lukasfeld eine therapeutische Gemeinschaft verwirklicht haben, in der Wohlwollen und gegenseitige Wertschätzung dominieren. Patientengruppe und Team verstehen sich als Gemeinschaft, wir begegnen uns auf Augenhöhe und leben demokratische Grundsätze so gut wie möglich.“

 

Innovative Therapieform

Die drei Clean-Stellen in Bludenz, Bregenz und Feldkirch waren im Berichtsjahr 2013 außergewöhnlich hoch ausgelastet. Die Gesamtzahl der Personen in einem Betreuungsverhältnis stieg um 21 Prozent an. „Auch die Angehörigen von Suchtkranken bekommen bei den ‚Cleans’ Hilfestellung. Vor allem Kinder aus suchtbelasteten Familien leiden ganz besonders unter der familiären Situation. Genau hier setzt der innovative Ansatz der tierunterstützten Therapie an. In der tiergestützten Gruppe mit Lamas und Alpacas erleben die Kinder Nähe und Geborgenheit. Sie spüren, dass Trauer und Angst genauso zum Leben dazugehören wie Freude und Liebe. Ihre Gefühle, Erfahrungen und Fragen werden ernst genommen und wir fördern darüber hinaus ihr körperliches Wohlbefinden“, freut sich Christine Köhlmeier, Stellenleiterin Clean Feldkirch, über die gut funktionierende Therapieform: „Auch 2014 ist die Angehörigen-Arbeit eines unserer zentralen Themen. Wir möchten verstärkt informieren und die Angehörigen motivieren, frühzeitig in den Beratungsprozess einzusteigen, denn sie sind den Süchtigen eine wichtige Hilfe bei der Bewältigung der Sucht. Auf der anderen Seite helfen wir den Angehörigen mit der Suchtsituation umzugehen und unterstützen sie in einer gesunden Lebensführung.
Supro: Am Bedarf orientiert

Die Werkstatt für Suchtprophylaxe, kurz Supro feierte 2013 unter dem Titel „20 Jahre Supro – Suchtprävention die wirkt“ ihr 20-jähriges Bestehen. „Die konstant gute Arbeit und das breite Präventionsangebot werden von immer mehr Personen und Institutionen geschätzt. Insgesamt haben im letzten Jahre 9.974 Personen in Vorarlberg ein Angebot bzw. eine Maßnahme der Supro in Anspruch genommen. Das sind imposante 53 Prozent mehr als im Vorjahr“, gibt der Leiter der Supro, Mag. Andreas Prenn, Einblick in die Zahlen. Das Vorarlberger Kompetenzzentrum für Suchtprävention ist stetig am Puls der Zeit und setzt in den nächsten beiden Jahren einen Schwerpunkt zum Thema Nikotin. „Das Projekt ‚Niko-Teen’ ist ein mehrstufiges Tabakpräventionsprogramm für Vorarlberger Jugendliche. Niko-Teen informiert und sensibilisiert junge Menschen bezüglich Tabakkonsum und stärkt ihre persönlichen Ressourcen. Wir bieten darüber hinaus rauchenden Jugendlichen die Möglichkeit, über ihren Konsum zu reflektieren und geben Hilfestellung, diesen zu reduzieren oder zu beenden“, so Prenn. Gefördert wird dieses Projekt aus Mitteln „Gemeinsame Gesundheitsziele aus dem Rahmen-Pharmavertrag, eine Kooperation von österreichischer Pharmawirtschaft und Sozialversicherung“, dem Fonds Gesundes Vorarlberg und der VGKK.
Positiver therapeutischer Einfluss: Reitpädagogik

Die Therapiestation Carina verzeichnet – wie auch im Jahr zuvor – eine 100%ige Auslastung: Insgesamt 64 Patient/innen wurden 2013 im Rahmen einer Krisen-, Kurzzeit- oder Langzeittherapie behandelt. Einen wichtigen Schwerpunkt im Rahmen der therapeutischen Arbeit bildet dabei die Reitpädagogik als unterstützende Methode zur psychotherapeutischen Behandlung. „Erstaunlicherweise sprechen uns Personen bereits bei den Erstgesprächen vor ihrer Aufnahme auf die Therapieform an. Auch in den Evaluierungen vor der Entlassung der Patientinnen und Patienten wird die Reittherapie sehr oft positiv hervorgehoben“, führt Mag. Johannes Rauch, Stellenleiter Carina, an. Das Augenmerk liegt bei dieser Therapieform vor allem auf der Konzentration, der Ausdauer und dem Aufbau von Vertrauen. Im Umgang mit den Pferden lernen die Patient/innen, auf das Verhalten bzw. die Reaktionen der Tiere einzugehen, sie tragen Verantwortung und entdecken das eigene Körpergefühl wieder. „Mensch und Tier mit unterschiedlichen Bedürfnissen treffen aufeinander – gerade im Bereich der Beziehungsfähigkeit wirkt sich die Reitpädagogik unterstützend aus“, so Rauch abschließend.